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“Verschrobener Versuch, eindeutig vergnüglich”

Dawkins über Unwins “Wahrscheinlichkeit der Existenz Gottes”


In einer sechs Seiten langen Passage seines Werks “Der Gotteswahn” beschäftigt sich Richard Dawkins mit Stephen Unwins Thesen über “Die Wahrscheinlichkeit der Existenz Gottes”, die unter diesem Titel bei discorsi erschienen sind. Zwar bezeichnet Dawkins den Gedankengang Unwins zunächst als das “seltsamste Argument für die Existenz Gottes, das mir untergekommen ist”, daher habe er gezögert, ihn überhaupt zur Sprache zu bringen: Unwins Überlegungen seien weniger stichhaltig und auch weniger durch hohes Alter geheiligt als andere. Den Ausschlag habe dann aber gegeben, dass das Buch bei seinem Erscheinen in der Öffentlichkeit große Aufmerksamkeit erregt habe und die Gelegenheit biete, verschiedene Erklärungsstränge zusammenzuführen.


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Dawkins empfindet für Unwins Ziele sogar, wie er schreibt, “eine gewisse Sympathie, weil die Frage nach der Existenz Gottes … in meinen Augen als wissenschaftliche Hypothese der Untersuchung zumindest prinzipiell zugänglich ist. Überdies ist Unwins verschrobener Versuch, der Wahrscheinlichkeit einen Zahlenwert zuzuordnen, eindeutig vergnüglich.”

Für letztlich nicht überzeugend hält er den statistischen Ansatz Unwins dann aber, weil die Bewertungen der Einzelfragen, die in die Formel einfließen, rein subjektiv sind. Seiner Meinung nach ist schon die von Unwin angenommene Ausgangsverteilung der Wahrscheinlichkeiten – nämlich 50 % für und 50 % gegen die Existenz Gottes – nicht nachvollziehbar. Die Ausgangswahrscheinlichkeit für die Existenz Gottes liegt nach Dawkins Ansicht stattdessen von vornherein nahe bei Null. Immerhin aber misst Dawkins dem Gedankenspiel so viel Bedeutung zu, dass er für Unwins Kategorien eigene, andere Werte vorschlägt.

Damit geht Dawkins auf Unwins Gedankenspiel ein und handelt damit ganz im Sinne des Physikers und Risikoanalytikers. Unwin selbst betont mehrfach die Subjektivität seines Ansatzes und stellt daher konsequenterweise am Ende seines Buches eine Excel-Tabelle zur Verfügung, mit deren Hilfe jeder Interessierte seine persönliche Wahrscheinlichkeit für die Existenz Gottes errechnen kann.

Max Delius
17. Februar 2010